“RadioTux” oder “Oh Gott der Himmel stürzt ein: linuxt um euer Leben !”


*ACHTUNG* Dieser Artikel enthält Polemik und Zynismus. *ACHTUNG*


Also…mehr durch Zufall bin ich auf RadioTux gestossen…und habe mir direkt mal die Folge 51 gezogen und angehört – die einzige Folge auf die ich auf die Schnell Zugriff hatte… nungut.


Es geht in der Folge 51 um “Trusted Computing”… okay ein Reizthema. Bei eingeschworenen Open-Sourcelern sowieso.


Ich bin auch eigentlich dumm zu glauben, dass eine Redaktion (gibts eine ?) die ihre Sendung “RadioTux” nennt wenigstens versucht unvoreingenommen an ein solches Thema heranzugehen. Es ist ja nicht so, das sie es nicht geschafft hätten, sie hätten es bestimmt schaffen können, hätten sie es denn versucht…


Die Sendung wird von insgesamt drei tapferen Recken bestritten – einem Moderator und zwei teils erschreckend ahnungslosen Gästen – Studenten sind das und was für welche – da kommt sofort die Frage auf welches Leben die sonst so schwänzen. Also, die Sendung beginnt: da ist dann erstmal wild von TCG, TCPA, TPM und anderen Abkürzungen und Wörtern mit T die Rede. Da kommen dann auch so M Wörter wie Microsoft oder Monopol und Mutti zu Gehör…


Um die Runde zu komplettieren, wird ab und an ein Fetzen eines Interviews mit einem als Fachmann auf dem Gebiet angekündigtem Menschen (dessen Namen ich mir nicht gemerkt hab) eingespielt…


Aber weiter im Text zur Sendung…da wird anfangs der geneigte Hörer mit dem Versprechen geködert “Wir wollen das Thema von allen Seiten beleuchten”…. HA! Nach gut einer Stunde zuhörens und vergeblichem Wartens habe ich nun folgenden Eindruck und nicht zuletzt folgendes Faktenwissen über Trusted Computing gewonnen:



  1. TPM is nen Chip. Der verhindert das ich Linux booten kann. Weil der bootet vielleicht, man weiss es noch nicht genau, nur Windows. Abschalten kann man den nich. Weil das würde auch garnichts nützen. Es ist ja 1984. Achja: Der Chip kann auch Fleischfarben in Bildern erkennen und dann verhindern das die Bilder angezeigt werden. Aber nur in islamischen Ländern; Puhh.. Glück gehabt.
  2. Trusted Computing entmündigt mich als Benutzer komplett – vielmehr noch: Die Regierung wird an meinen Daten herumzensieren.
  3. Trusted Computing ist Microsofts Verschleierungstaktik um seine Marktmacht auszubauen und zu festigen
  4. in Zukunft dürfen keine OpenSource Programme mehr geschrieben werden…besonders Samba wird davon betroffen sein
  5. Patente sind per se evil
  6. auch eine komplett offengelegte Spezifikation mitsamt Quelltexten schafft keine Transparenz
  7. eine unvoreingenommene Betrachtung von zwei Seiten endet mit den Sätzen: “Was können wir also dagegen tun ?” und “Es ist schoneinmal gut, das man eine breite Front dagegen hat.”
  8. die Trusted Computing Group hat anfangs ihre wahren Absichten geleugnet… nämlich das sie nur verhindern wollen das wir MP3s rumkopieren. Die haben nur erzählt sie wollen Viren und Würmer aufhalten…

Viel gelernt für eine Stunde zuhören. Nicht schlecht, stimmts ? Dumm nur das dieses Halb-garnicht-Wissen von offenbar absolut ahnungslosen “wir deuten mal die Zukunft – ich hab hier eine OpenSource Kristallkugel”-Menschen zusammengestammelt worden ist. Da hilft es auch nicht viel auf den Chaos Computer Club zu verweisen. Die stellen sich da mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit auch nicht viel anders an – schade wenn man bedenkt das da wirklich fähige Menschen sitzen…


Ganz unangenehm ist auch, das man ab und zu mal das Microsoft-Bashing ruhen lassen muss… weil sich IBM auf dem TCG Gebiet so engagiert…immerhin liefern sie seit 2002 ihre Notebooks mit so einem fleischfarben-erkennendem Ding aus. Und zum Abschluss noch ein Wort zu den wackeren Recken am Mikrofon…”zum Bleistift” wird recht oft gesagt… das mochten meine Schulkameraden, damals in der Grundschule auch schon – schön mal wieder dran erinnert zu werden.


Also. Unklar ist für mich wie solche – nennen wir sie mal Deppen – überhaupt ernst genommen werden wollen. Ich halte doch auch keine Vorträge über Genmanipulation. Und das obwohl ich weiß das Chromosomen so lustige X und Y Zeichen auf Fotopapier sind. Wenn die OpenSource Community ernst genommen werden möchte, dann sollte sie durch Wissen und nicht durch Halb-garnicht-Wissen auffallen.

Das war die erste Folge die ich von RadioTux bisher gehört habe…und es wird auch die einzige bleiben, wenn sich die Macher von RadioTux nicht bei ihrem für August angekündigtem Relaunch dazu entschliessen können mit Wissen aufzutrumpfen statt mit dumm-Schwall-Laberei.

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