einen SQL Server zu haben ist cool


ich bin ja aufgrund meines eigenen VideoDiskRekorders ein-zweimal am Tag im VDR-Portal. Und dort sind ja neben vielen Anwendern auch reichlich Entwickler zugange.


Was mir in den … zwei Monate dürften es nun sein … in denen ich in diesem VDR-Portal aktiv bin aufgefallen ist, ist dieser Spleen den viele Entwickler zur Zeit zu haben scheinen: Ich möchte Daten speichern: Das geht *NUR* mit einem SQL Server. Und dann kommen sie mit den tollsten und besten SQL Servern dieser Welt.


In meinen Augen kommt die Vorplanung in 99% der Fälle absolut zu kurz. Es scheint ein Hype um SQL Server jeder Art und Coloeur entstanden zu sein…so kristallisieren sich dann auch ein paar Gründe heraus wieso man einen SQL Server braucht:



  1. ein SQL Server speichert alles: genau. Ich kann alles in ihn hineinstopfen. Bilder…ja Texte hauptsächlich… vor allem Texte. Und als Nebeneffekt löst er alle unsere Datenstruktur-Probleme…

  2. ein SQL Server ist schnell: und wie. Er wird zwar ein bisschen langsamer je mehr Daten ich reinpumpe, aber…man ist der schnell…

  3. ein SQL Server macht aus jedem Personal Computer einen Server: endlich hat Oma auch einen dieser…Server. Okay. Sie speichert nur Stickmusterbögen als JPG darin…aber hey: EIN SERVER !

  4. ein SQL Server lässt Körperteile wachsen: jawohl! Tausendfach erprobt!

  5. auf einen SQL Server können hunderte User gleichzeitig zugreifen: Ja… sogar auf Omas Personal Computer Server

  6. ein SQL Server ist in Null-Komma-Nix installiert: wenn einem die Leute im “Forum”…der “Community” dabei helfen…

  7. keine Datenmenge ist zu klein, als das sie nicht in eines dieser Wunderwerke passen würde

  8. keine Datenmenge ist zu gross, als das sie nicht in eines dieser Wunderwerke passen würde

Und das sind nur die wichtigsten Gründe. Wie man sieht: Alles verdammt wichtige Gründe.


Okay okay… “Polemik ! Pfui !” schreit der Leser ? – Ich gebe es ja zu. Aber was bleibt einem übrig wenn man zusieht wie Menschen die sich noch keinen Gedanken um die Daten- geschweigedenn deren Struktur gemacht haben plötzlich beginnen irgendwelche Server aus ihren Personal Computern zu machen.
Es ist wohl offenbar der Trend den man momentan mitmachen muss. Oder ist es ein Zeitabschnitt den (fast) jeder Entwickler einmal durchleiden muss ? Die “SQL-Server-Pubertät” ? Die “mySQL Pflegeljahre” ? Die “Oracle Geschlechtsreife” ?


Wie auch immer es zusammenhängt. So geht das nicht ! Erst kommt das Nachdenken. Dann kommt der Server. Oder er kommt auch nicht. Je nachdem wie es die Aufgabe erfordert.


Wenn von vornherein klar ist, das man nur seine DVD Sammlung verwalten will (und DERJENIGE sein will der den Strauss Blumen für “die millionste DVD Verwaltungssoftware” überreicht bekommt), dann benötigt man keinen SQL Server. Dann benötigt man höchstens ein später gut zu bearbeitendes Dateiformat…zum Beispiel XML ? … oder CSV (durch Komma getrennte Liste)…vielleicht kann man auch ein Access dazu benutzen. Wer weiss. Vielleicht auch eine wilde Skriptsprache, wie das ja so beliebt ist bei vielen. Vielleicht auch eine richtige Programmiersprache…vielleicht C++. Vielleicht C#. Vielleicht Java (J# *stichel*). Was man in den seltensten Fällen braucht: ein SQL Server.


Das soll kein Abgesang auf den SQL Server ansich werden. Im Gegenteil. Man soll die Werkzeuge nutzen wo sie nützlich sind. Grosse, komplexe Datenstrukturen gehören in SQL Server. Ich führe mal ein Beispiel von einem Programm an, welches ich gerade in der Freizeit entwickle: Hier werden die Daten alle Sendungen von allen über Digital-Satellit ausgestrahlten Sender verwaltet und mit Aufnahmetimern usw. verknüpft. Viele greifen reflexartig zur SQL Server Installations-CD. Aber wieso ? Insgesamt sind das maximal 6 Tabellen. Mit einer Hand voll Relationen. Transaktionen werden nicht benötigt. Wozu also einen SQL Server nehmen ?


Viele wissen vermutlich nicht wie es besser geht. Jedenfalls ist für das Projekt über das ich gerade spreche (der aufmerksame schrankmonster-blog Leser weiss welches ich meine) keine SQL Datenbank vonnöten. Denn all diese Daten. Die sich da nach “boah das is viel” anhören. All diese Daten sind am Ende gerademal 10 MB gross. Und das für immerhin 14 Tage TV Programm.
Das würde ich bei aktuellem Speicherausbau meines Personal Computers noch geradeso verschmerzen können. Und langsamer wird es nicht. Weil der SQL Protokoll Overhead wegfällt: Was alleine für den Verbindungsaufbau draufgeht… na schweigen wir…..


Jetzt höre ich die Entwickler schreien: “Aber ich kann dann keine schönen SQL Anfragen mehr stellen”. Blödsinn sage ich. In besagtem Beispiel kann man natürlich nachwievor SQL Anfragen stellen. Das liegt in diesem Fall aber an der verwendeten Plattform: .NET. Dort ist es nämlich möglich Daten so abzubilden das sie sich wie in einem SQL Server verhalten. Mitsamt der SQL Anfrage (okay okay…es gibt schon Einschränkungen…aber die DVD Sammlung, oder obiges Beispiel werden davon nicht betroffen sein)


So. Ein riesen Pamphlet. Das musste raus. Und über Kommentare freu ich mich natürlich.

  1. #1 by Stephan on October 13, 2004 - 08:12

    Stümmt 🙂
    Ich bin immer froh, wenn ich eine Lösung OHNE SQL-Bedarf habe (Perl heisst die Waffe meiner Wahl mit flatfile db). Und wenn schon SQL, dann doch bitte der Aufgabe angemessen. Für ein 1-Personen System ist das doch total Banane. Und wer nicht ordentlich plant, normalisiert, aus Performancegründen Normalisierungen verwirft und dann mehr als ein Viertel seiner Zeit mit der praktischen Umsetzung verbringt, der hat was falsch gemacht, Finde ich.
    Keine Ahnung, wie das mit .NET geht, aber XML und CSV funktioniert doch sprachübergreifend mittlerweile recht ordentlich. Vielleicht sollte ich meiner Mama aber doch mal einen Strick-SQL-Server aufsetzen, ich will ja keine Entwicklungsstufe überspringen 😉

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