Fernsehwahn


So! Mal wieder Zeit für ein Off-Topic:


Ich schätze, dass wohl doch einige den “Fernsehfilm des Jahres” gesehen haben. Das niedrige Niveau der Dialoge, vor dem einschlägig gewarnt wurde, empfand ich nicht als allzu großes Problem (Interessant sei hier die Tatsache, dass der IMDB-Wert von 7,4 vor der Ausstrahlung auf 4,9 danach gesunken war.). Aber wenn man bei einem 23 Mio. $-Budget nicht einmal das Geld übrig hat, ein billiges Boot anzuzünden und zu versenken, dann brauch man sich nicht wundern. Verständlich, dass man einen Drachen nur per CGI hinbekommt, jedoch selbst kleinste Sachen so zu animieren, als hätte das ein Student im Nebenjob gemacht (Der Effektemeister schimpft sich Oscar-Gewinner.); das hätte man mal doch genauer überlegen sollen, wie das Geld effizienter eingesetzt worden wäre. Schade auch, dass die berüchtigte Racheparty von Kriemhild (das eigentliche Ende der Nibelungen) außenvor gelassen wurde, und stattdessen ein ziemlich lahmes “Finale” ausgedacht wurde. Vielleicht hätte man auch über Wagners Musik nachdenken sollen (Aber die läßt sich natürlich nicht so gut verkaufen und ist historisch vorbelastet.).


Aber Schluß mit der Kritik an dieser Stelle, schließlich haben wir auch (scheinbar) nichts dafür bezahlt und immerhin an zwei Abenden eine Ausrede gehabt, andere Verpflichtungen abzusagen oder endlich diverse Aufnahmetechniken auszuprobieren.


Wem ist die Werbung aufgefallen, wo man direkt den Ring aus dem Film im Videotext bestellen konnte? Ich will ja nicht unken, aber das könnte der Marketingtrend der nächsten Jahre werden. Man sieht etwas im Film, und kann es direkt live bestellen. Für solche Konzepte kann man an manch einer Universität ganze Diplomarbeiten füllen. Loten wir mal ein wenig die Möglichkeiten dieses Merchandisings aus: beim nächsten Indiana Jones kann man gleich die Peitsche kaufen, bei Kinderfilmen diverses Spielzeug, bei “SuperSize Me” den Homeservice von McDonalds ordern und bei “Fahrenheit 9/11” die Anmeldeformulare zur US Army. Wohl an denn…


Eine Bemerkung noch zur Werbung, die recht häufig während der Nibelungen geschaltet wurde: Wie dämlich muss man eigentlich sein, um solche Spots zu produzieren? Da ist die Rede vom Ende der Handzahnbürsten. Also ich möchte mal denjenigen sehen, der sich mit dem Fuß die Zähne putzt. Oder die “ultimative Rasur”: Wer davon spricht, der kriegt wahrscheinlich auch nen Orgasmus beim Haarewaschen. Nur zwei Beispiele…


Ach so: Nicht vergessen, bei www.fressnapf.de vorbeizuschauen. Damit wenigsten die ihr Geld nicht umsonst verpulvert haben.


Jens Heymann

  1. #1 by Bietiekay on December 1, 2004 - 08:01

    Offtopic gibt es in diesem Weblog nicht.

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