Grenzen erkennen


Oder: Die Anatomie eines Laufes

Gestern war Donnerstag. Eigentlich ein schöner Tag. Aber es sollte ein tag werden, an dem ich meine Grenzen kennenlernte. Begonnen hat der Donnerstag wie immer mit einer Marketingvrlesung morgens um sieben. Bis Elf Uhr dann noch Finanzierung. Danach erstmal ausgeruht, um gegen halb drei meinen Trainingslauf zu starten. Eine Stunde in den Wald, danach einkaufen und später zur letzten Vorlesung Unternehmensführung.

Wie immer ging’s ins Schortetal, 2 Runden. Es begann zu schneien, ziehmlich stark. 3 Uhr, ich könnte mich auf den Rückweg machen aber ein Weg reizte mich und ich dachte, er wird schon irgendwie wieder nach Ilmenau bringen. Die Richtung stimmte ja.

3:20 Uhr, es geht seit Kilometern ständig nur nach oben und es schneit wie verrückt. Mittlerweile bin ich nass und meine Hände sind kalt.. Ilmenau ist nicht in Sicht. Umdrehen? Nej .. die ganze Strecke wieder zurück will ich nicht .. also weiter, dort wird ja ne Straße nach Ilmenau sein.

3:40 Uhr, es beginnt zu dämmern. So langsam beschleicht mich ein Gefühl von Panik. Ich hatte an dem Tag noch nichts gegessen, meine Kräfte schwinden. Mir ist kalt. Der Körper schaltet jetzt nach mehr als zehn km auf Sparflamme. Meine Hände spüre ich nicht mehr. Umdrehen? Nein, jetzt doch nicht mehr, der Weg wäre doch viel zu lang. Ilmenau liegt bestimmt gleich um die nächste Ecke. Ich bin ganz nah dran, bestimmt …

3:50 Uhr, der Weg geht tiefer in den Wald. Ich habe keine Ahnung wo ich bin. Hier oben liegt Schnee und es ist eisig kalt. Ich willt nicht mehr.

4:00 Uhr. Ich sehe Licher. Autolichter. Der Moment ist unbegreiflich. Zivilisation. Rettung. Ich erreiche sie Straße, nur welche Richtung nehme ich? Schilder gibt es nicht. Trampen? Niemals, ich habe meinen Stolz, lieber kipp ich um.

4:20 Uhr, mir wird schwindelig. Ich sehe die Lichter der Autos doppelt und habe das Gefühl die sehen mich überhaupt nicht. Ich weiß nicht wohin mich die Straße bringt. Es wird dunkel.

4:30 Uhr, Auerhan, eine Gaststätte. Und ein Wegweiser Richtig Stützerbach. Ich habe nun endlich wieder ein Ziel. Irgendwann nach Stützerbach kommt Ilmenau. Mein Longsleeve, das ich unter meiner Laufjacke trage ist mittlerweile komplett nass und kalt.

4:45 Uhr, bin in Stützerbach. Es ist dunkel. ich sehe nichts mehr. Meine Beine schwerzen, ich kann nicht mehr auftreten. Manebach müsste gleich kommen, denk ich mir. Aber dann lese ich 5km. Ich glaube das nicht udn gehe noch einmal ganz nah ran an das Schild: 5km. Ich hasse mich. Trampen? Never.

5:20 Uhr Endlich Manebach. Jetzt noch Richtung Schwimmbad. Mittlerweile laufe ich 3 Stunden, so lange wie noch nie in einem Training. Lediglich zum Marathon in Köln bin ich länger auf den Beinen gewesen – bei Sonnenschein, essen und Trinken.

5:40 Uhr Ilmenau, Festhalle. Die letzten Kilometer. Ich überlege schnell bei einer Freundin (Christina) Halt zu machen, um was zu trinken und Zucker zu mir zu nehmen. Ich kann nicht mehr. Doch die Zeit lässt es nicht zu, ich muss mich beeilen, denn ich habe ja noch eien Vorlesung.

5:50 Uhr, Die letzten Meter laufe ich ohne jegliches Gefühl. Ich merke nur noch, dass sich meine Augen bewegen. Der Rest ist Automatismus. Die Ansteigung am Ernst-Abbe-Zentrum stellt die letzte Herausforderung, doch ich schaffe sie … ist mir jetzt auch egal.

6:00 Uhr, Ich bin da. Nach 3,5 Stunden und mehr als 20 Kilometern.Wohlwissend, dass ich keinerlei Essen zu Hause habe (ich wollte ja urpsünglich einkaufen gehen, Matthias wartete vergebens) klingel ich direkt bei Nico. Nicos Mutter sei dank, gibt es Kuchen. 2 Stücke helfen ersteinmal.

6:20 Uhr, schnell geduscht und heissen Tee mit viel Zucker getrunken. Mir tut alles weh. Die Finger sind noch immer taub. Ich kann im ICQ kaum tippen.

6:30 Uhr, ich muss los. Vorlesung. Ich zittere leicht, das Mitschreiben fällt mir schwer, aber bessert sich im Laufe der Zeit.

Danach gab’s dann erst mal ne Pizza. Mein Tag sollte aber noch nicht vorbei sein .. als Studentenvertreter war es ein Muss auf der Party des Fachschfatsrates EI zu gehen. Nach diesem Höllentrip, jede Menge Gläser Schlammbowle und Freibier kam, was kommen musste …


Tino
NYBlog

  1. #1 by Venom on January 15, 2005 - 17:07

    Kein GPS?

  2. #2 by Bietiekay on January 15, 2005 - 17:54

    das hab ich ihn auch schon gefragt 😉 – So ein GPS is schon was feines, vor allem wenn man eine ausgeprägte Orientierungsschwäche hat.

  3. #3 by Tino on January 15, 2005 - 23:52

    ich sach euch ..

    wo ich war, da findet auch kein satelitsignal hin ..

    😉

    Tino

  4. #4 by classless on June 8, 2005 - 17:58

    Ich habe nicht geahnt, daß es dermaßen tiefsitzende Prinzipien verletzen kann, den Daumen rauszuhalten. Meine Fresse.

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