Der Triumpf des Banalen


Gegen anspruchsvolle und bedeutungsschwangere Filmkunst ist ja an sich nichts zu sagen, aber manchmal nimmt es mit all seinen Folgen wirklich Überhand.


Bei Namen wie Fellini, Rossellini, Bergman oder Truffaut gehen jedem europäischen Feuilletonisten die Ohren auf, und jeder spricht bzw. schreibt begeistert in wortbrecherischen Sätzen über Neorealismus, Nouvelle Vague oder den Autorenfilm. Und auch an Filmhochschulen schwärmen die Absolventen von diesen Regisseuren (ein wenig heuchlerisch?) und rümpfen die Nase über die Amis (Die gleichen Leute drehen dann später Folgen von GZSZ oder der Lindenstraße).


Wenn man mal in den Genuss kommen sollte, einige dieser Lobpreisungen in einschlägigen, “seriösen” Zeitungen zu lesen, muss man sich nicht schämen, wenn man nichts versteht. Meistens hat man das Gefühl, dass diese Autoren so sehr bemüht sind, in kompliziert verschachtelten Sätzen zu schreiben, dass ihre Artikel sofort tot sind, nachdem sie auf Papier gebracht wurden.


Ein Beispiel:
“[…]Was in den Bewusstseinstrichter an Freud hineingeflößt wird, das kommt beim automatischen Schreiben als Libido-Metapher wieder heraus.[…]Bunuels sanguinisches Temperament schmiedet in seiner Lyrik dieselben explosiven Metaphern und Bildsequenzen nach der Logik des frustierten Begehrens…[…].”


von Gabriele Killert über Luis Bunuel, Neue Zürcher Zeitung, 2000


Für wen schreiben die das eigentlich? Das hätte doch auch einfacher formuliert werden können. Ein Professor an der Uni sagte einmal als Erklärung für dieses elitäre Intellektuellengeschwafel, dass nur durch solche Wörter und Wortkonstruktionen der Sinn der Sache getroffen werden kann. Da mag eventuell etwas dran sein, aber deswegen müssen wir uns doch nicht der deutschen Sprache schämen, oder?


Ein anderer Punkt ist die Interpretation von Werken der oben genannten Regisseure. Da fragt man sich doch manchmal, ob da wirklich soviel in den Filmen drinsteckt, oder ob da eher nach dem Prinzip “Ich glaub, ich weiß was!” gearbeitet wird.


Auch hier ein Beispiel:
In “2001”, das weiß jeder, steht “HAL” für “IBM”. Also spekulierten alle, die etwas von sich halten, wild darauf los, welchen Einfluss Big Blue wohl auf den Film hatte. Dabei übersahen die Meisten, dass Arthur C. Clarke (Autor der Story) vehement den Zusammenhang bestritt und es als Zufall abtat. Denn “HAL” bedeutet lediglich “Heuristic Algorithmic Computer”.


Noch ein Beispiel: In “2001” geht die Reise ausgerechnt zum Jupiter, dem Göttervater. Die Wahrheit ist aber weit trivialer: Der Tricktechniker konnte die Saturnringe nicht glaubwürdig darstellen (denn im Buch geht es zum Saturn), also nahm man einfach den nächstbesten Planeten, und das ist der Jupiter.


Vermutlich könnten diese Leute auch aus einem Haufen Hundekacke die Zukunft lesen, wenn man ihnen einen vorlegen würde.


Jens Heymann

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