Neulich gesehen: Superman Returns


Normalerweise bin ich kein Fan von Comics und -verfilmungen, weil es doch irgendwie immer das Gleiche ist, ob nun Spiderman, X-Men oder eben Superman – blasse “Gute” gegen dämliche “Böse”. Da aber bei den Amis diese Art von Filmen momentan ganz groß in Mode ist (mit anderen Worten: Weil es momentan am meisten Geld einspielt.), schwappt die Superheldenwelle kontinuierlich zu uns herüber.

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Um es vorneweg zu sagen: Der Film in allen Belangen durchschnittlich, eben das, was man von einem Popcorn-Movie erwartet. Er ist mit 150 Minuten zwar unnötig lang, hält aber geradeso die Aufmerksamkeitsschwelle aufrecht.

Im Internet wurde viel kritisiert, besonders von den Fans. Da wurde über Kate Bosworth als fehlbesetzte Lois Lane gezetert, über Regisseur Bryan Singer und über die Analogie zwischen Superman und Jesus. Ich meine, diese Dinge sind allesamt nicht so tragisch. Negativer sind andere Sachen:

– Product placement

Heutzutage kommt kein “Blockbuster” mehr ohne aus. Macht finanziell auch Sinn, denn die jeweiligen Firmen zahlen harte Dollar dafür. Hinterlässt beim Zuschauer aber einen zwiespältigen Eindruck: Einerseits sagt man sich: “Ok, im Alltag sieht man auch ständig Werbung.”, andererseits kann man in einem Film nicht davor fliehen.

So sagt Superman am Anfang des Films, als er wieder auf den Plan tritt und ein Flugzeug rettet: “Statistisch gesehen ist es immer noch die sicherste Art zu reisen.” (Ok, dieser Satz ist eine Referenz an einen früheren Superman-Film.). Auch besser so, denn schließlich handelte es sich um eine Boeing 777 (“Dreamliner”), die da zu Bruch ging.

Komischerweise tauchte der Obstrechner kein einziges Mal auf.

– CGI

Es soll ja mal Zeiten gegeben haben, da fragte sich der Laie: Wie haben die das nur gemacht? Heute fragen sich selbst Zehnjährige nicht mehr: Wie viel Terabyte Speicher haben die dafür gebraucht?

Die eine Erkenntnis nimmt man mit aus dem Film: CGI-Effekte sind einfach noch nicht soweit, um einen Film vollständig zu tragen.

– Physik

Dass die Gesetze der Schwerkraft in Hollywood nicht gelten (ebenso wie die begrenzte Schussanzahl in Pistolenmagazinen), ist nichts Neues. Klar, Superman stellt sowieso eine Ausnahme dar – der ist halt super. Wenn aber Lois Lane mit dem Kopf mehrere Male hintereinander durch hohe G-Kräfteeinwirkung an Metall anschlägt und danach aufsteht, als sei nichts gewesen, da weiß man wieder mal, dass das ganze Getöse eigentlich bedeutungslos ist.

– Spiderman/X-Men-Analogie

Etwas kurios ist die Besetzung von James Marsden als Macker von Lois Lane, der gleiche Typ, der bei X-Men Cyclops gespielt hat. Als sich Superman an seine Frau ranmacht, dachte ich, jeden Moment packt der Ehemann seinen Todesbeam aus. Und in der Zeitungszentrale hätte auch jeden Moment Peter Parker um die Ecke laufen können.

– Supermans Dominanz

Superman gehört zu der Klasse der Überhelden: unverwundbar, patriotisch und asexuell. Das ist historisch bedingt, als damals zu Zeiten der wirtschaftlichen Depression und der Diktatoren unfehlbare Helden gesucht wurden.

Als Drehbuchschreiber steckt man nun in einem Dilemma: Wie hält man die Spannung, wenn Superman ohnehin alles plattmacht, was ihm in den Weg kommt inklusive Lex Luthor? Lösung: Man lasse die Beiden erst so spät wie möglich aufeinandertreffen (nach über 100 Minuten im Film), davor Superman sich beim obligatorischen (aber furchtbar langweiligen) Menschenretten austoben.

– Achtung! Fortsetzung

Kurz vor Ende des Films wurde mir plötzlich klar: Dieser Film erzählt keine abgeschlossene Geschichte. Daher wartet man vergebens auf ein Finale im herkömmlichen Sinne. Das ist im neuen Franchise-Wahnsinn in Hollywood ganz populär, jedoch kommt sich der Nicht-Fanboy ein klein wenig verarscht vor.

Jens Heymann

  1. #1 by - on November 9, 2007 - 22:18

    Post in English…

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